content-corner

Works

Story.Kapitel I-IV

Jana MüllerJana MüllerJana Müller

Autor, blau, Boden, Bretter, Drama, Drehbuch, Eifersucht, Eingang, Falten, Fakten, Fiktion, Fenster, Frau, Geständnis, Grundrauschen, grün, Hand, Kind, Karriere, Krawatte, Konflikt, Linoleum, Lüge, Scherben, Streifen, Tage, Tapete, Tüte, Tod

" ... Ich wollte eine lange Dialogszene zwischen zwei Vorarbeitern am Fließband machen. Sie gehen und reden dabei über einen Dritten, der vielleicht in irgend- einer Beziehung zum Werk steht. Hinter ihnen wird ein Auto Stück um Stück zusammengesetzt, es wird aufgetankt und geschmiert, und als sie ihre Unterhal- tung beendet haben, ist das Auto, das Anfangs ein Nichts war, abfahrbereit, und sie sagen: Ist das nicht toll? Und dann machen sie eine der Autotüren auf, und heraus fällt eine Leiche! Woher kommt die Leiche? Aus dem Auto kaum, das war am Anfang nur eine Schraubenmutter. Die Leiche ist aus dem Nichts gefallen, verstehen Sie? ..."

Zitat Alfred Hitchcock aus dem Buch "Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?", von François Truffaut, 1966

2009 , Installation, Glas, Textil, c-print 83 cm x 107 cm gerahmt , Gesamtfläche 250 cm x 450 cm, Dimension Variabel , Ausstellungsansicht Kunsthalle der Sparkasse, Leipzig

Blackout

Jana MüllerJana Müller

braun, Bretter, Cocktail, Cut, dual, Echtzeit, Filmriss, Führer, Fünf, Handeln, Herr Sowieso-von-Sowieso, Grunzen, Hölle, Hut, Liebchen, Lüge, Jackett, Schatten, Seilschaft, Spur, Scheusal, Schrei, Truhe, Übermensch, Untier, Verrat, Verschwinden, Wechsel, Zeugen

2006 , Fotografie, Diasec matt, 5 c-prints , je 44 cm x 58 cm

Klopfen

Jana MüllerJana MüllerJana Müller
Detektivin oder doch Verbrecherin?

Die Arbeiten von Jana Müller sind so angelegt, das man nicht weiß, ob man es mit den dokumentierten Spuren eines mysteriösen Geschehnisses zu tun hat, oder ob die Fotografien, Videos und Installationen selbst Teil eines verschwörerischen Plans sind. In ihren fotografischen Arbeiten verknüpft sie dabei Fragen nach Formen und Möglichkeiten von Erinnerung und Identität mit den Diskussionen um die Funktion von Fotografie.
In mehreren einzelnen Arbeiten, die auch zusammen präsentiert werden, spürt die Künstlerin ihrer eigenen Person nach. Sie entwarf ein Vermisstenplakat mit ihrem eigenen Bild („Vermisstensache“) und dokumentierte eine Durchsuchung ihres Elternhauses („TAGEBUCH eins“).
In dem Video „Geraubter Kuss“ betrachtet sie sich selbst in einem Spiegel und spricht immer wieder die Worte „Jana Müller, Jana Müller ...“. Die Wiederholung ihres Namens erscheint wie ein zureden und vergewissern gleichermaßen. Mit der Suche nach sich selbst führt Jana Müller vor Augen, dass die Suche nach dem eigenem Ich nicht zu einem Ergebnis führt. Vielmehr werden immer weitere Spuren gelegt, die individuell gelesen und gedeutet werden können.
Sie entwirft dabei aber keine linearen Erzählungen, sondern solche, die sich bewusst mit Unterbrechungen und Auslöschungen von Bildern auseinandersetzen. Das verwendende fotografische Beweismaterial wird dabei gleichzeitig auf Schwachstellen untersucht. Es entstehen konstruierte Störungen, die mysteriöse Momente erzeugen und somit ein Geheimnis in sich bewahren. Dabei greift sie wie in „Blackout“ auch auf bekanntes Bildmaterial zurück.
Das Scheitern von Erinnerung thematisiert sie unter anderem auch in der Arbeit „Klopfen“. Das Video entstand für eine Ausstellung im Kunstbunker München. Der derzeit für Ausstellungen genutzte Bunker diente im 2. Weltkrieg als Schutzraum und grenzt an ein Wohnhaus mit heute verborgenen Zugängen an. In dem Video sieht man einen Mann in einem Wohnzimmer. Er klopft die Wand auf der Suche nach einer Hohlstelle, einem Zugang oder Ausgang ab. Das Klopfen im Video wird symbolisch zu einer Suche nach der Vergangenheit, zu der ein direkter Zugang nicht mehr möglich ist. Nur das unterschiedliche Klopfgeräusch an der Wand deutet Spuren der Vergangenheit in der Gegenwart an.

Lilian Engelmann aus dem Katalog Jana Müller und Wiebke Elzel "Weißes und schwarzes Licht", 2007

2004 , Video , DVD, 12 min , Ausstelungsansicht Kunstbunker Tumulka, München

Geraubter Kuss

Jana Müller
2006 , Video , DVD, 3 min

Tagebuch eins

Jana MüllerJana MüllerJana Müller

Antwort, Amboss, Auge, Beet, Binde, blau, Bügel, Buche, Buchrücken, Buxbaum, Dachstuhl, Dunkelkammer, Fragen, Gloria, grau, Hausschwamm, Hausrat, Kammer, Keller, Kragen, Konstruktion, Lücken, Mahagoni, Müller, Münzen, Nadelfilz, Nippes, Pullunder, Raster, Schießkarten, Schlüssel, Schrankwand, Schrecken, Schuster, Schwager, Schweigen, Sektkelch, System, Taschenrechner, Teilung, Teppich, Treppe, Versteck, Wiege, Zeit

TAGEBUCH eins  –  Eine Installation von Jana Müller

Spuren / Fährten
Eine Hausdurchsuchung hat stattgefunden. Fotos von Schränken, die in ihren geöffneten Fächern Hausrat, neben Büchern und Kleidungsstücken preisgeben, ein Grundriss des Hauses, der Maßstab eines der Zimmer auf dem Fußboden der Galerie, ein Video, in dem immer wieder das Öffnen und Schließen einer Tür zu sehen ist, scheinen die Suche rekonstruieren zu wollen. Die Fotografie eines mit einem grauen Einband versehenen Heftchens mit der Aufschrift „Tagebuch eins“, das, so haben die “Ermittlungen” ergeben 20 cm lang und 15 cm breit ist, könnte Aufschluss über die Durchsuchten geben - es bleibt aber verschlossen.

Jana Müller hat aus ihrem Elternhaus ein kriminalistisches Objekt werden lassen, dass sie dokumentarisch zu begehen scheint. Was sie sucht oder zu finden hofft, bleibt dabei ungewiss - die Dokumente liefern keine Beweise, keine Informationen, keine Aufschlüsse über das, was entdeckt werden soll. Die Dokumente scheinen daher weniger die Suche nach etwas wiederzugeben, als vielmehr Spuren zu sein, welche die Künstlerin über sich selbst legt. Die Installation TAGEBUCH eins von Jana Müller bewegt sich somit zwischen Spuren finden und selbst Fährten legen, mit der gleichzeitig die Hoffnung auf eine lückenlose Rekonstruktion des Anderen und des eigenen Ichs bezweifelt wird. Dabei verknüpft sie, die der Fotografie zugeschriebenen Eigenschaften mit der Problematik der Bedeutungsfindung.

Erinnerungen
Erinnerungen bieten uns keinen unmittelbarer Zugang zu etwas Vergangenem. Indem wir uns an etwas erinnern, hat es bereits in unserem Bewusstsein eine Sinn- und Bedeutungszuweisung erfahren. Werden Erinnerungen zu medialen Äußerungen, geraten sie in ein System von Zeichen, das sich durch seine Arbitrarität kennzeichnet und damit weniger einen Bezug zur Wirklichkeit hat, als vielmehr etwas Vergangenes auf eine bestimmte Art und Weise repräsentiert. Wenn wir Fotografien und Schriftliche Zeugnisses von etwas vergangenem Sehen oder Lesen, dann haben wir nicht das stattgefunden Ereignis vor Augen, sondern eine bestimmte mediale Verarbeitung. Diese Verarbeitung erfolgt innerhalb der Grenzen des Wissens- und Erkenntnisstand seines Autors. Erinnerungen spiegeln deshalb weniger das wieder, was einmal gewesen ist, als das, was wir einem Vergangenem zuschreiben wollen. Erinnerungen, ob offiziell oder privat, ob als geschriebene Geschichte, als Zeugenaussage oder als Bild, sagen deshalb mehr über den, der erinnert aus als über das, an was sich erinnert wird.

Re - konstruktion
Mit der Installation von Jana Müller wird versucht sich an eine Hausdurchsuchung und an die dabei gefundenen Objekte zu erinnern. Die Rekonstruktion der Durchsuchung geschieht in Anlehnung an kriminalistische Verfahren, innerhalb derer der Fotografie, auch wenn der dokumentarische Charakter längst bezweifelt wurde, der Stellenwert eines Beweismittels zukommt. Auch wenn eine Fotografie während der verschiedenen Stadien ihrer Entstehung manipuliert werden kann, setzt das fotografische Abbild eine Realität voraus, die häufig fälschlicherweise mit Authentizität gleich gesetzt wird. Die Installation TAGEBUCH eins entlarvt dabei aber den Mythos von authentischer Information, indem eine Rekonstruktion anhand der einzelnen Puzzleteile unmöglich erscheint. Die Installation fördert keinen Wissensprozess über das Elternhaus der Künstlerin oder über ihre eigene Person, sie gibt lediglich vor, durch ihren dokumentarischen Charakter objektive Erkenntnisse zu schaffen. Die Erkenntnisse entstehen aber erst durch die Umdeutung und die Rekonstruktionsleistung des Betrachters, der die einzelnen Puzzleteile in einen Zusammenhang bringen möchte. Dieser Umdeutungsprozess ist bereits in dem Reproduktiven der Fotografie selbst inhärent. Dabei entsteht aber nicht die Rekonstruktion der Hausdurchsuchung sondern eine individuelle Geschichte, die vor allem etwas über die Projektionen auf den anderen aussagt. Erinnerungen und Rekonstruktionen erschienen in diesem Zusammenhang als nicht nur höchst subjektiv sondern auch als äußerst wandelbar und ungewiss.
 
Liian Engelmann aus dem Katalog Bilder 201, Fotogalerie Wien, 2003
 
 
 
 
 
 
 
 

2003 , Installation, Monitor, DVD 1:35 min Loop, Grundriss Mutterpause A1, Bodenmarkierung Klebeband , drei Farbfotografien je 120 cm x 140 cm gerahmt, zwei Farbfotografien je 40 cm x 40 cm gerahmt , Ausstellungsansicht Fotogalerie Wien

Vermisstensache

Jana MüllerJana Müller

"Die Person Jana Müller wird seit längerer Zeit vermißt. Es kann nicht eindeutig gesagt werden, wo sie das letzte Mal gesichtet wurde. Es sprechen keine Indizien dafür,daß Jana Müller in irgendeiner Weise auffällig wurde. Es gibt in regelmäßigen Zeiträumen,an verschiedenen Orten, Hinweise auf die Anwesenheit der Person. Jedoch verblassen die hinterlassenen Spuren in kürzester Zeit. Wir bitten die Bevölkerung um Mithilfe bei der Lösung dieses Vermisstenfalles. Durch verschiedenste Angaben, Hinweise und Auffälligkeiten, wird es vielleicht möglich sein, die Person konkret festzumachen und wieder ordnungsgemäß einzugliedern.“

 

2002 , Vermisstenplakat, Siebdruck 89 cm x 120 cm, Telefon und Anrufbeantworter, Videodokumentation DVD 10 min , Dokumenationsansicht, büro spors, Berlin

Seiten

Top