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Works

Sie hat zwei Seiten

Jana MüllerJana Müller
2014 , Objekt, Glas, Textil, Holz, Farbe , 70 cm x 58 cm x 75 cm , Ausstellungsansicht "Soft Power", Galerie m2a, Dresden

Taschen voller Glas

Jana MüllerJana MüllerJana Müller

Armreif, billig, Blumen, Duft, Fabel, Fahndung, Glimmer, Glamour, Gold, Klunker, Kopf, Nagel, Rechnung, Raufbold, Rummel, Schnauze, Schnulze, spitz, Stahl, Straße, vergeblich, Verheißung, Versprechen

2014 , Objekte, Handtaschen, Glas, Dimension und Präsentationsform variabel

The Ladies

Jana MüllerJana Müller
2013 , Objekt, Glas bedruckt , 108 cm x 160,5 cm, 2-teilig

OT_07032013

Jana Müller
2013 , Objekt, Glas, Textil , 80 cm x 110 cm x 8 cm

Never-Ending Story

Jana MüllerJana MüllerJana MüllerJana MüllerJana Müllerjana Müllerjana Müller

Ader, Bilder, Blender, Blinzeln, Bühne, Dekor, Faden, Fahrstuhl, Farbe, Frau, Gier, grau, Hand, Kante, Leder, Münze, Mütze, Nähte, Nussbaum, Presse, Rätsel, Ratten, Raub, rosa, Schichtung, Schicksal, Schirm, Schnäppchen, Schnitt, Schwindel, Spiegel, Träume, Trieb, Überwurf, Urteil, violett, Wände, weiß, Wengé, Zahnfleisch, zahm

Geschichten aus dem Off des Alltäglichen

Der Alltag ist durchsetzt mit kleinen Episoden des Grauenvollen, die in verschiedenen Dosierungen konsumiert werden können: sei es abends im Fernsehkrimi, im unerschöpflichen Vorrat des Internet, in der letzten Meldung auf dem Zeitungsaussteller oder im U-Bahn-Fernsehen. Was fasziniert an den Grenzbereichen des Normalen oder vielmehr dem Überschreiten seiner Grenzen? Jana Müllers Arbeit Blackout (2006) thematisiert diese Faszination weniger durch ein Zeigen oder Erzählen als durch ein Verdecken und Verschweigen. Die Künstlerin hat fünf Standbilder aus Alfred Hitchcocks Film Rope (1948, dt. Cocktail für eine Leiche) isoliert, vergrößert und produziert als C-Prints. Auf den Bildern sehen wir jeweils noch einen kleinen Ausschnitt des Schauplatzes – etwa einen Türrahmen, einige Gläser auf einem Tisch, eine verbundene Hand –, der Großteil aber wird verdeckt von einer dunklen Fläche, zum Beispiel dem Rücken einer Person oder dem Deckel einer Truhe. Für einen Moment wird uns das Geschehen entzogen, bleibt etwas vollständig im Dunkeln. Beim Dreh des Films arbeitete Hitchcock mit einem Trick, um sichtbare Schnitte vermeiden zu können: Rope wurde in Einstellungen von zehn Minuten Dauer (die maximale Länge einer Filmrolle) gedreht, welche jeweils mit Handlungen enden, die einen kurzen Moment lang die Kamera verdecken und ein schwarzes Bild erzeugen. Der Film erzählt von zwei jungen Männern, die einen gemeinsamen Freund ermorden. Im Anschluss geben sie eine Cocktailparty im Beisein der Leiche, die versteckt in einer Truhe liegt, von der jedoch nur die beiden Mörder sowie die Zuschauer wissen. Die Mörder führen ein nahezu störungsfreies Schauspiel der Normalität auf, laden Verwandte des Toten ein, denen die haarsträubende andere Seite dieser Normalität verborgen bleibt. Mit Jana Müllers Aneignung der Standbilder werden Aspekte vernehmlich, die sich wie ein roter Faden durch ihr Werk ziehen: das Interesse an der Grausamkeit unter dem Anschein des Alltäglichen, an den Gebieten jenseits sozialer Übereinkünfte und Regeln sowie an der Schaulust, der Lust am Verbrechen und dem Überschreiten von Grenzen.
 
Die Handlung des Films Rope ist für den Betrachter von Blackout nicht nachvollziehbar, stattdessen treffen wir auf ein Dauer-Off, das undurchdringlich bleibt. Aus der Bilderfolge der Handlung werden Einzelbilder, der Verlauf gerinnt zum Augenblick. Die im Film nur sekundenlange Verknappung der Bildinformation wird im Standbild zur absoluten Dunkelheit ohne Fortsetzung oder Auflösung. In seiner Abhandlung über das Kino schreibt Gilles Deleuze: „Zum einen bezeichnet das Off das, was woanders, nebenan oder im Umfeld, existiert; zum andern zeugt es von einer ziemlich beunruhigenden Präsenz, von der nicht einmal mehr gesagt werden kann, daß sie existiert, sondern eher, daß sie ‚insistiert‘ oder ‚verharrt‘, ein radikaleres Anderswo, außerhalb des homogenen Raums und der homogenen Zeit.“[1] Die Arbeit Blackout nimmt das Insistieren und Verharren wörtlich, indem sie kurze Momente der Schwärze aus einer Folge von Bildern isoliert und zum Hauptmotiv macht. Dabei sehen wir nicht die vollständige Schwärze, sondern den Moment kurz bevor die Blindheit eintritt. Die Bilder führen uns das Hereinbrechen von etwas vor, das sich der Sichtbarkeit entzieht. An die Stelle von Repräsentation tritt die Imagination oder, wie der Künstler John Smith formulierte: „Das Monster im Horrorfilm ist immer weniger furchterregend, wenn man es sieht.“[2]
 
Die Brüchigkeit der Normalität und das unsichtbare, potenzielle Grauen direkt unterhalb der dünnen Schicht Alltag werden auch in Jana Müllers Arbeit TAGEBUCH eins (2005) thematisch. Sie besteht aus fünf Fotografien, einem Video sowie auf den Boden des Ausstellungsraumes geklebten, ineinander verschachtelten Grundrissen von drei Räumen. Drei der Fotografien zeigen den Inhalt von Schrankwänden und Schränken: verschiedene Gegenstände wie Bücher, eine gerahmte Fotografie, Nippes, dekorative Keramik und Gläser sind zu sehen sowie eine schwarzweiß gemusterte Damenjacke. Auffällig sind aber vor allem die klaffenden Lücken. Etwas scheint zu fehlen oder entfernt worden zu sein. Vielleicht würde das im Titel angesprochene und auf einer Fotografie erscheinende Tagebuch Auskunft geben – jedoch ist es nur als Fotografie im Raum anwesend, versehen mit einem Lineal, als sollte seine reale Größe festgehalten werden, wie bei einer Beweisaufnahme oder fotografischen Spurensicherung. Auf dem Tagebuch ist zu lesen „Sie sind verpflichtet, ordnungsgemäße Eintragungen vorzunehmen.“ Dazu handschriftlich die Initialen J. M. Ein anderes Foto im selben Format zeigt ein Haus – vielleicht stehen in dessen Räumen die fotografierten Schränke. Was ist hier geschehen? Hat Jana Müller eine Verbindung zu diesem Haus? Ist das Tagebuch ihres? Das im Loop präsentierte zweieinhalbminütige Video zeigt auf einem Fernseher älteren Datums einen weiteren, recht heruntergekommenen Schrank, dessen Tür sich nach einiger Zeit wie von Geisterhand öffnet und wieder schließt. Öffnet sich die Tür, gibt sie den Blick frei auf leere Schrankfächer – nur im untersten steht ein gefüllter, zugeschnürter Müllsack.
Jana Müller stellt hier verschiedene Elemente in einen Zusammenhang, der immer lückenhaft bleibt – es werden keine Informationen geliefert über das Haus, seinen Standort oder seine Bewohner, ebensowenig wie über die Gegenstände auf den Fotos, die großen Lücken, den geheimnisvollen Müllsack oder das Tagebuch. Statt einer abgeschlossenen Erzählung sehen wir uns konfrontiert mit Zeichen des Häuslichen, vermeintlich Vertrauten, die in dieser Anordnung eher unheimlich als anheimelnd wirken. Sigmund Freud beschreibt das Unheimliche als „jene Art des Schreckhaften, welche auf das Altbekannte, Längstvertraute zurückgeht“.[3] Weiterhin schreibt er: „[…] dies Unheimliche ist wirklich nichts Neues oder Fremdes, sondern etwas dem Seelenleben von alters her Vertrautes, das ihm nur durch den Prozess der Verdrängung entfremdet worden ist. […] das Unheimliche sei etwas, was im Verborgenen hätte bleiben sollen und hervorgetreten ist.“[4] Diesen Moment, in dem das Vertraute fremd und angsterregend wird, suchen die Arbeiten Jana Müllers auf, indem sie etwa wie hier das Häusliche, Private als potenziellen Schauplatz eines Verbrechens inszenieren. Tatsächlich handelt es sich bei dem Haus um Jana Müllers Elternhaus, das sie als „kriminalistisches Objekt“[5] inszeniert. Ein Ort der eigenen Vergangenheit wird in dieser quasi-dokumentarischen Bestandsaufnahme zu einem Ort der Rätsel, ungeklärten Vorfälle und des Unbehagens.
Dabei spielt TAGEBUCH eins selbst auf das aktive Positionieren von Objekten und Bildern in einer Ordnung an, die Bedeutung herstellt. Die Inschrift auf dem Tagebuch verweist auf die „ordnungsgemäßen Eintragungen“ – aber wie ist das im Zusammenhang mit einem Tagebuch zu verstehen, das doch der Niederschrift von Erlebnissen aus dezidiert subjektiver Perspektive dient? Die auf den Boden geklebten, verschachtelten Grundrisse der untersuchten Räume erinnern an Tatorterfassungen, an schematische Darstellungen, wie sie etwa Lars von Triers Film Dogville (2003) strukturieren, dessen Erzählung sich ohne weitere Ausstattung ausschließlich auf solchen Grundrissen entfaltet. In Dogville durchbricht das Monströse die fragile Oberfläche der durch gesellschaftliche Konventionen eingerichteten Normalität. Bei TAGEBUCH eins bleibt die Oberfläche intakt, steht aber unter genauer Beobachtung, erscheint verdächtig und brüchig.
 
Auch in der Installation Never Ending Story (2012) werden Zuschreibungen von Ordnung und Ordnungsbruch verhandelt. Zwischen schichtweise übereinanderliegenden Glasplatten sind präzise positionierte Kleidungsstücke zu sehen, wobei sich die Anordnung jeweils auch nach der selbst gesetzten Regel richtet, dass jede Platte genau waagerecht liegen muss. Jedes Ensemble beinhaltet mehrere Kleidungsstücke, die sich möglicherweise einer bestimmten Person zuordnen lassen. Eine Glasplatte bedeckt auch die oberste Kleidungsschicht, so dass das Glas die Objekte darunter zugleich sichtbar werden lässt, sie dem Griff entzieht und eine spiegelnde Oberfläche bietet, in der sich Raum, Betrachter und Objekt begegnen. Die Glasflächen betonen den Akt der Präsentation, des Ausstellens zum Zweck der Betrachtung und der sich daran anschließenden Interpretation. In einem Gespräch hat Jana Müller diese Objekte „Präparate“ genannt. Sie hebt damit den Aspekt der Untersuchung hervor, mikroskopisch, systematisch – die Kleidung erscheint als Beweis-, Erinnerungsstück oder Überrest und wird hier der prüfenden Betrachtung dargeboten. Seit 2009 hat sie solche Objekte immer wieder in verschiedenen Konstellationen in ihre Ausstellungen integriert. Sorgfältig stellt Müller die Kleidungsstücke zusammen, berücksichtigt Farben und Muster, integriert mal einen Teppich, mal einen Schal. Jedes „Präparat“ ist ein Bild oder spannt sich auf im Bereich zwischen Bild und Skulptur, zwischen Fläche und Körper – und zwischen einer formalen, abstrakten Struktur und einem möglichen Verweis auf eine reale Person, eine Begebenheit oder einen Ort. Die Kleidungsstücke lassen sich sozial, zeitlich und geografisch verorten, unter dem Glas liegen möglicherweise Spuren, Fragmente von Geschichten, die der Betrachter im Angesicht des eigenen im Glas reflektierenden Spiegelbildes erblickt. Die Auseinandersetzung muss über die Oberfläche erfolgen, ein Berühren oder näheres Untersuchen ist unmöglich. Das Glas schafft eine Grenze, trennt potenzielle Spuren gewaltsamer Ereignisse von der Normalität – diese Grenze jedoch kann in jedem Moment zerbrechen und die Trennung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Verbrechen und Normalität aufheben.
An den Wänden um die Bodeninstallation hängen fünf großformatige Schwarzweißfotos hinter Glas, präsentiert auf Holzdekorplatten. Die Bilder zeigen Menschen, die ihr Gesicht vor der Kamera verbergen, nichts sehen, vor allem aber nicht gesehen werden wollen. Ihre Kleidung scheint aus den 1950er Jahren zu stammen, schriftliche Markierungen an den Rändern einiger Fotos weisen auf deren Herkunft aus Archiven. Tatsächlich fand Müller diese Aufnahmen in Archiven, sie zeigen Menschen im Gerichtssaal oder in dessen unmittelbarer Umgebung,[6] zu deren Haltungen die Künstlerin schreibt: „Die Personen versuchen, ihre Identität auf rührende Weise zu verstecken, hinter Taschen, Zeitungsblättern, übergezogenen Mänteln. Sie drehen sich weg, verkrümmen sich in seltsamen Choreografien, wie Figuren eines gesellschaftlichen Balletts.“[7] Die vor der Kamera verborgenen Gesichter fesseln unseren Blick, deuten auf Scham oder Angst. Im Zusammenhang mit den „Präparaten“ und ihren geisterhaften Andeutungen menschlicher Präsenz stellt sich die Frage nach Tätern und Opfern und nach den Verbrechen, die hier begangen wurden. In dem Aufeinandertreffen von Archivmaterial und den „Präparaten“, die als Reste fiktiver Geschichten ins Verhältnis zu den Fotografien gesetzt werden, stellt sich zudem die Frage nach der zeitlichen Verortung des fiktiven oder realen Geschehens. Sehen wir Spuren der Vergangenheit, die in die Gegenwart hineinragen, vielleicht Teile von ungelösten Fällen, die wieder aufgerollt werden sollen, aber nicht zu einem Ende kommen? Die Arbeiten überbrücken den zeitlichen Abstand durch die simultane Anwesenheit von dokumenthaftem Bild und dem Bereich des Fiktiven zugehörigem „Präparat“ im Ausstellungsraum. Jana Müller produziert aus der Gegenwart heraus brüchige, vielschichtige Bild-Objekte, die von der grundsätzlichen Instabilität vergangener wie gegenwärtiger Konstellationen erzählen. Damit kommentiert die Installation auch die Sensationslust der Medien und ihrer Rezipienten, das Geschäft mit Gewalttaten und privaten Schicksalen, die medienwirksam in Schlagzeilen und Berichten vermarktet werden. Die Form der Präsentation der Fotografien unterstützt den sensationalistischen Beiklang dieser Aufnahmen: Das Glas, das Holzdekor und die Clips an den Rändern erinnern an Schmuckrahmen und deuten damit auf das voyeuristische Interesse am Verbrechen, auf die Lust am Gaffen, Gruseln und an skandalösen Neuigkeiten.
Dabei beschäftigen sich Jana Müllers Arbeiten nicht mit konkreten Verbrechen oder dem Verhältnis von Gut und Böse, sondern mit der potenziell anderen, unheimlichen Seite des Normalen. Sie schaffen eine Bühne für Geschichten, die sich im Imaginären abspielen. Der Betrachter wird Teil einer narrativen Struktur, sobald er den Ausstellungsraum betritt. Darauf verweist auch die Installation Sie irren sich (2011). Ein nicht angeschlossenes Mikrofon steht in einem Ständer vor einem Bilderrahmen, auf der anderen Seite befindet sich ein blauer Samtvorhang. In dem Bilderrahmen sehen wir eine stark vergrößerte Spielkarte, von der nur die Rückseite erkennbar ist. Im Ausstellungsraum bleibt der Vorhang geschlossen, das Mikrofon stumm und die Karte verdeckt – sprechend werden diese Elemente erst, wenn ein Betrachter die „Bühne“ betritt und Jana Müllers Entwicklung narrativer Optionen im Umgang mit Bildern, Objekten und Gesten verfolgt und interpretierend vorantreibt. Die resultierenden Geschichten handeln vielleicht von Bereichen des Irrationalen, des Verdrängten und Beunruhigenden – von subjektiven und kollektiven Ängsten, Erinnerungen und Fantasien, die im Off verharren und, sich jeder bildlichen Darstellung entziehen und gerade dadurch ihre Wirksamkeit entfalten.

Kathrin Meyer aus dem Katalog Jana Müller " So jung, so schön, so kriminell", The Green Box Verlag, 2013

[1] Gilles Deleuze, Das Bewegungs-Bild. Kino 1 (Cinéma I. L’image-mouvement, 1983). Frankfurt am Main: Suhrkamp 1997, S. 34.
[2] „The monster in the horror film is always less frightening when you see it.“ „John Smith talking film with Cate Elwes. Trespassing beyond the frame“, in: John Smith Film and Video Works 1972–2002, London: Picture This Moving Image/Watershed Media Centre 2002, S. 67.
[3] Sigmund Freud, „Das Unheimliche“,http://www.gutenberg.org/files/34222/34222-h/34222-h.htm (abgerufen am: 31.10.2012).
[4] Ebd.
[5] Lilian Engelmann, „TAGEBUCH eins – Eine Installation von Jana Müller“, in: Bilder Nr. 201, Ausstellungsbroschüre, Wien: Fotogalerie Wien 2005, S. 10. In diesem Text wird ausführlich auf die Tatsache eingegangen, dass es sich bei dem gezeigten Haus um Jana Müllers Elternhaus handelt.
 
[6] Jana Müller im Gespräch mit Kathrin Meyer, 18.10.2012.
[7] Jana Müller in einer E-Mail an Kathrin Meyer, 2.12.2012.

2012 , Installation, sechs Fine-Art-Prints, Barytpapier auf Holzdekorplatten hinter Glas, je 140 cm x 200 cm , zwölf Bodenskulpturen, Glas, Textil, Dimension variabel , Ausstellungsansichten Städtische Galerie Nordhorn und Kunstverein Frankfurt/Main

Broken Love

Jana Müller

Absatz, Beute

2012 , Fotografie linker Schuh, 45 cm x 55 cm, gerahmt , Objekt rechter Schuh, Textil, Kunststoff, 25 cm x 7 cm x 15 cm

Nest

Jana Müller

Beil, Dielen, Geld, Hohlraum, Muster, Mutter, Schweigen, Sessel, Wahn

2012 , Objekt, Tapete, Holz, Textil , 85 cm x 120 cm x 7 cm, gerahmt hinter Glas

It is not over until the fat lady sings

Jana Müller
2012 , Video mit einem Klavierstück von Edward Grieg, Lyrische Stücke Nr. 12 , DVD, 1:30 min

Sie Irren sich

Jana MüllerJana Müller

Affengesicht, Blattgold, blau, Chaos, Eichentisch, Glücksspiel, Kalkül, Magier, Normen, Note, Ornament, Predigt, Risse, Samt, Schwindel, Spiegel, Spiel, Sockel, Sterne, Verlierer, violett, Vorhang, Wendung, Zirkus, Zwiespalt

Sie irren sich

Durch einen kulissenhaften Vorhang vom Rest des Raums abgetrennt, funktioniert die Installation „Sie irren sich“ noch deutlicher als ein Experimentierfeld, in welchem alternative Modi der Bedeutungsproduktion in Szene gesetzt werden. Objekte werden in Relation zueinander gesetzt, ohne dabei einen sich eindeutig erschließenden Zusammenhang zu bilden. Der Betrachter ist verstärkt auf sein eigenes Vorstellungsvermögen angewiesen.
 
In einem vergoldeten, profilierten Bilderrahmen ist eine stark vergrößerte Reproduktion der ornamentierten Rückseite einer Spielkarte zu sehen. Verwendet wird diese also nicht als ein Ready-made sondern ein Abbild. Dadurch rückt ihr zeichenhaft-symbolischer Gehalt noch stärker in den Vordergrund. In anderer Weise gilt das auch für den historisierenden, an Ahnengalerien erinnernden Porträtrahmen, der als Zeichen in ein anderes Repräsentationsregime transponiert ist. Während der Rahmen unseren Blick auf die Vergangenheit lenkt, kann die Spielkarte als Metapher für offene Fragen an die Zukunft gedeutet werden. Da sie jedoch nicht umgedreht werden kann, bleibt die vermeintlich bedeutungstragende Vorderseite verborgen. Eine potentielle Botschaft bleibt somit aus – oder zumindest haben wir keinen Zugang zu ihr.
 
Dadurch lässt die undurchdringliche, selbstreferentielle Kartenoberfläche einen Kommunikationsbruch entstehen, dem ein weiterer folgt. Denn der räumlich-situativen Logik von Jana Müllers mise en scène folgend ist das direkte Gegenüber der Spielkarte weniger der Betrachter selbst, als vielmehr ein auf sie ausgerichtetes Mikrofon, dessen Kabel allerdings abgeschnitten ist. Ein Gegenstand, der Kommunikation fördern sollte, ist hier eher dazu prädestiniert, sie zu erschweren oder sogar zum Stillstand zu bringen. Eine fehlende Aussage, ein stummes Mikrofon: Ein Raum potenzieller Ideengenerierung und –vermittlung scheint von einer Betriebsstörung betroffen zu sein. Möglicherweise ein Zeichen für eine Krise der vorherrschenden Fragestellungen und Kommunikationsmuster? Ein Aufruf dazu, diese aufzubrechen? Und wer „irrt sich“ eigentlich? Durch ihre lückenhafte und kommentarlose Inszenierung von Handlungs- und Bedeutungsstrukturen lässt die Installation doch keine Sinnfixierung zu. Und eben darin steckt ihre Sprengkraft.

Vanja Sisek, 2016
 

2011 , Installation, zwei Mikrofone mit Stativ, blauer Samtvorhang , zwei Fine-Art-Prints 50 cm x 70 cm und 70 cm x 100 cm gerahmt hinter Museumsglas

Third Person

Jana Müller

Asphalt, Bonbon, Blondchen, Brüche, Distanz, Dusche, Faden, Ferne, Goldrausch, Handschuh, Kamm, Kram, Kreuzung, Kreuzzug, Lippenstift, Monolog, Off, Ort, Perspektiven, Spiegel, Straße, Regen, Rolle, Wächter, Wort

2011 , Objekt, Glas, Textil , Gesamtfläche 100 cm x 125 cm x 12 cm

Leichter Krimi

Jana MüllerJana MüllerJana MüllerJana Müller

Augen, Beton, Blendung, Flecken, Heuschrecken, Hinken, Katzenpisse, Kreuzung, Lähmung, Milieu, Nacht, Objektiv, Rollen, rot, schwarz, Schweigen, Sekunden, Sicht, Sieben, Spiel, Straße, Sträucher, Tausch, Theater, Tücher, Tüten, unklar, Verrohung, Verstehen, violett, Wege, Zeichen, Zensur, Zeugen, Zeug

1:59:48 – 2:00:20
Lichtkegel, Tisch, Regen
Ich, ich muss auf die Toilette.
Hand im Türrahmen, Mann, Männer, Reflex, Hintergrund
Wir können die Fesseln nicht abnehmen. Wir haben keine Zeit mehr.  Bitte versuche dich doch zu beherrschen.
Stirn, Perlen rollen, Blatt, Korsett
Aber das geht nicht. Wenn, wenn einem das Genick bricht, dann versagen doch die Muskeln. Ich habe Angst ich werde mich beschmutzen.
Du musst dich nicht schämen deswegen, alle tun das.
Kaugummi, Haartolle, Entsetzen, Treppe, Füsse eng zusammen, Seil, Hut, Schraube, Auge in Auge
Ist Gott auch hier dabei?
Tuch, klopfen, Stille, zittern, Fall, Zeitlupe, Schwarz

01:39:10 – 01:42:50
Wer spricht von Töten. Papa war nie tot.
Was?
Papa war nie tot. Er lebt hinter dieser Tür.
Was sagst du da?
Ich habe eine makabere Komödie für euch inszeniert, damit er weiß wer ihr wirklich seid.
Rücken, Streifen, Klinge, Horn, Fleck, rot, künstlich, Fingernagel, zähflüssig, Mann, Tochter, Ohr, verteilen
Ich habe die Telefonleitung durchgeschnitten.
Hörer, Kabel, hellblaue Bluse, gekniffener Mund, Seitenscheitel, Schnitt
Das Auto lahm gelegt.
Haube, hellblau, Käfer
Die Medikamente versteckt.
Schachtel, grün, grün, hellblau, Frauen, Blumen, Bubikopf
Den Revolver gestohlen und die fünfhunderttausend France von Mama.
Stillleben, Revolver, rosa, kalt, Hände, Lack, samt, Teppich, Tuch, Korb, Taschen voller
Ich vertauschte den Schlüssel von Papas Zimmer damit er seine Ruhe hat.
Polster, zwei Schlüssel, Holzdekor, eiskalt
Kurzum, ich regelte alles, machte alles und ihr seid darauf reingefallen. Ihr hattet Angst.
Schlüssel
Papa? Papa. Papa? Nein.  
Licht, Lachen, Klicken, Schuss, Kreischen
Papa? Das war nur Spaß.
Diesmal wart ihr diejenigen die ihn umgebracht habt.
Pyjama, gold, grau, Teppich, Muster, Blutfleck, Reflex, Haare, Ring, Stillleben, Haarspange, Balustrade, schöne Lippen melancholische Musik

00:11:11– 00:15:56
kreischende Sirenen, Straße, Dialog, springen
Ich musste hierher kommen.
Zu Winkie's?
Zu diesem Winkie's.
Okay. Wieso dieses Winkie's?
Ist mir irgendwie peinlich.
Nur zu.
Ich habe von diesem Laden geträumt.
Oh mann.
Verstehen sie was ich meine?
Okay sie haben also von diesem Laden geträumt. Erzählen sie mal.
buschig, leichtfertig, Falten, Entsetzen, grün, Leder, Schweben, Grundrauschen, Bass, Signal, Brummen, Schaben, tief, Perlen, flirren
Tja, das war schon das zweite Mal, aber sie waren beide gleich. Sie fangen so an das ich hier drin bin, aber es ist weder Tag noch Nacht. Es ist so ein Zwischending, wissen sie? Aber es sieht genauso aus wie jetzt, abgesehen vom Licht. Ich hab solche Angst, ich kann es ihnen gar nicht sagen. Ein paar Leute sitzen hier, aber Sie stehen gleich da drüben. Vor der Theke. Sie erscheinen in beiden Träumen und sie haben auch Angst. Ich habe noch mehr Angst, wenn ich sehe. wie sie sich fürchten und dann wird mir klar voran es liegt.  Da ist ein Mann. Hinter dem Lokal. Er ist derjenige der die Ursache ist. Ich kann ihn durch die Wand sehen. Ich kann sein Gesicht sehen. Ich hoffe, dass ich dieses Gesicht niemals außerhalb des Traumes sehe.
Das war es.
Also sie sind gekommen um zu sehen ob er da ist?
Ich wollte dieses fürchterliche Gefühl loswerden.
Hm. Na schön.
Oh Gott.
Speck
Nur zu.
Sonne, Schatten, Pfeil, dumpf, wackeln, Treppe, Agaven
Er ist hinter dem Lokal.
klopfen, ticken, klappern, behaart, schwarz
Sind sie wach?

 

2010 , Installation, Glas, Textil, Filmlampen , Gesamtfläche 400 cm x 550 cm, Dimension variabel , Ausstellungsansicht "The Disasters of Peace" Umspannwerk Tiergarten, Berlin

Story.Kapitel I-IV

Jana MüllerJana MüllerJana Müller

Autor, blau, Boden, Bretter, Drama, Drehbuch, Eifersucht, Eingang, Falten, Fakten, Fiktion, Fenster, Frau, Geständnis, Grundrauschen, grün, Hand, Kind, Karriere, Krawatte, Konflikt, Linoleum, Lüge, Scherben, Streifen, Tage, Tapete, Tüte, Tod

" ... Ich wollte eine lange Dialogszene zwischen zwei Vorarbeitern am Fließband machen. Sie gehen und reden dabei über einen Dritten, der vielleicht in irgend- einer Beziehung zum Werk steht. Hinter ihnen wird ein Auto Stück um Stück zusammengesetzt, es wird aufgetankt und geschmiert, und als sie ihre Unterhal- tung beendet haben, ist das Auto, das Anfangs ein Nichts war, abfahrbereit, und sie sagen: Ist das nicht toll? Und dann machen sie eine der Autotüren auf, und heraus fällt eine Leiche! Woher kommt die Leiche? Aus dem Auto kaum, das war am Anfang nur eine Schraubenmutter. Die Leiche ist aus dem Nichts gefallen, verstehen Sie? ..."

Zitat Alfred Hitchcock aus dem Buch "Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?", von François Truffaut, 1966

2009 , Installation, Glas, Textil, c-print 83 cm x 107 cm gerahmt , Gesamtfläche 250 cm x 450 cm, Dimension Variabel , Ausstellungsansicht Kunsthalle der Sparkasse, Leipzig

Blackout

Jana MüllerJana Müller

braun, Bretter, Cocktail, Cut, dual, Echtzeit, Filmriss, Führer, Fünf, Handeln, Herr Sowieso-von-Sowieso, Grunzen, Hölle, Hut, Liebchen, Lüge, Jackett, Schatten, Seilschaft, Spur, Scheusal, Schrei, Truhe, Übermensch, Untier, Verrat, Verschwinden, Wechsel, Zeugen

2006 , Fotografie, Diasec matt, 5 c-prints , je 44 cm x 58 cm

Klopfen

Jana MüllerJana MüllerJana Müller
Detektivin oder doch Verbrecherin?

Die Arbeiten von Jana Müller sind so angelegt, das man nicht weiß, ob man es mit den dokumentierten Spuren eines mysteriösen Geschehnisses zu tun hat, oder ob die Fotografien, Videos und Installationen selbst Teil eines verschwörerischen Plans sind. In ihren fotografischen Arbeiten verknüpft sie dabei Fragen nach Formen und Möglichkeiten von Erinnerung und Identität mit den Diskussionen um die Funktion von Fotografie.
In mehreren einzelnen Arbeiten, die auch zusammen präsentiert werden, spürt die Künstlerin ihrer eigenen Person nach. Sie entwarf ein Vermisstenplakat mit ihrem eigenen Bild („Vermisstensache“) und dokumentierte eine Durchsuchung ihres Elternhauses („TAGEBUCH eins“).
In dem Video „Geraubter Kuss“ betrachtet sie sich selbst in einem Spiegel und spricht immer wieder die Worte „Jana Müller, Jana Müller ...“. Die Wiederholung ihres Namens erscheint wie ein zureden und vergewissern gleichermaßen. Mit der Suche nach sich selbst führt Jana Müller vor Augen, dass die Suche nach dem eigenem Ich nicht zu einem Ergebnis führt. Vielmehr werden immer weitere Spuren gelegt, die individuell gelesen und gedeutet werden können.
Sie entwirft dabei aber keine linearen Erzählungen, sondern solche, die sich bewusst mit Unterbrechungen und Auslöschungen von Bildern auseinandersetzen. Das verwendende fotografische Beweismaterial wird dabei gleichzeitig auf Schwachstellen untersucht. Es entstehen konstruierte Störungen, die mysteriöse Momente erzeugen und somit ein Geheimnis in sich bewahren. Dabei greift sie wie in „Blackout“ auch auf bekanntes Bildmaterial zurück.
Das Scheitern von Erinnerung thematisiert sie unter anderem auch in der Arbeit „Klopfen“. Das Video entstand für eine Ausstellung im Kunstbunker München. Der derzeit für Ausstellungen genutzte Bunker diente im 2. Weltkrieg als Schutzraum und grenzt an ein Wohnhaus mit heute verborgenen Zugängen an. In dem Video sieht man einen Mann in einem Wohnzimmer. Er klopft die Wand auf der Suche nach einer Hohlstelle, einem Zugang oder Ausgang ab. Das Klopfen im Video wird symbolisch zu einer Suche nach der Vergangenheit, zu der ein direkter Zugang nicht mehr möglich ist. Nur das unterschiedliche Klopfgeräusch an der Wand deutet Spuren der Vergangenheit in der Gegenwart an.

Lilian Engelmann aus dem Katalog Jana Müller und Wiebke Elzel "Weißes und schwarzes Licht", 2007

2004 , Video , DVD, 12 min , Ausstelungsansicht Kunstbunker Tumulka, München

Geraubter Kuss

Jana Müller
2006 , Video , DVD, 3 min

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