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Collaborations

Collaboration

Wiebke Elzel www.wiebke-elzel.de und Jana Müller arbeiten seit dem Jahr 2001 kontinuierlich an fotografischen Werkzyklen zusammen.

Wiebke Elzel / Jana Müller
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Collaborations Bild

Jana Müller
Koordinaten, 2015
Jana Müller
Inszenierte Fotografie 2002–2011
Jana Müller
Archiv Elzel / Müller seit 2003
Jana Müller
Land I, 2006–2009
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Collaborations Text

Denkbare Bilder zwischen Gegenwart und Vergangenheit

Im Archiv Elzel/Müller wird dem Vergessen entrissen, was zu verschwinden droht: Kino- und Theatersäle, Heilstätten, Fabriken und manchmal sogar ganze Dörfer. Zersprungenes Fensterglas, losgelöste Tapeten, rostiges Eisen, Moos und hochgewachsenes Gras zeugen davon wie Bauwerke wieder Teil der Landschaft werden, wie sie sich auflösen und verfallen. Wiebke Elzel und Jana Müller dokumentieren diese Orte auf der Suche nach Schauplätzen für ihre inszenierten Fotografien. Katastrophen, politische und ökologische, sind ihr Stoff. Vergleicht man sie aber mit den Fotografien aus dem Archiv Elzel/Müller, überraschen sie durch ihre erhabene Ruhe. Die längst verlassenen Räume, die sie zeigen, tragen Spuren ihrer einstigen Nutzung, nichts jedoch verweist auf die zerstörerischen Folgen einer Katastrophe. Anders die Pressebilder, mit denen sich Wiebke Elzel und Jana Müller im Laufe der Vorbereitung ihrer Arbeiten beschäftigen. 1957 verurteilt Roland Barthes, die im Bildjournalismus vorherrschende Praxis, intellektuelle Auseinandersetzung mit Bildinhalten durch die intentionale Sprache des Schreckens /1 zu vereiteln. Offenbar liegt auch den inszenierten Fotografien von Wiebke Elzel und Jana Müller diese Kritik zugrunde. Um beim Betrachter eine aktive und analytische Deutung zu fördern, sind sie bemüht, ihren Fotografien etwas Befremdliches hinzuzufügen, ihren Leser in ein Erstaunen zu versetzen, das weniger intellektuell als visuell ist, weil es an den Außenflächen des Schauspiels, an seinem optischen Widerstand festhält und ihn nicht sofort zu dessen Bedeutung führt /2. Wenn es in den Fotografien von Wiebke Elzel und Jana Müller der verwirrenden Herausforderungen /3 viele gibt, so dann, weil sie die Illusion einer Erzählung schaffen, sie in Wirklichkeit aber arretieren. An ihre Stelle tritt die Allegorie. Das narrative Geschehen wird in den Inszenierungen von Wiebke Elzel und Jana Müller zu einem emblematischen Augenblick verdichtet. Von dem Ereignis, welches den Künstlerinnen Anlass für ihre Inszenierungen gab, bleibt nichts als ein kulturell signifikantes Zeichen und dessen allegorische Reinterpretation. Die Titel der Bilder bestätigen den Willen, einen Ausdruck zu finden, der eine Vielzahl von möglichen Aktualisierungen zulässt. Dabei erlauben die Bilder auch Assoziationen zu weit zurückliegenden, historischen Ereignissen. Wer denkt nicht an die Französische Revolution, wenn er das Wort Barrikaden hört? So gelingt es den Fotografien von Wiebke Elzel und Jana Müller als
Motoren von Erinnerung in einer Lücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu operieren /4.

Christin Krause, 2009

/1 Barthes, Roland, Schockfotos, 1957
/2 ebd.
/3 ebd.
/4 Owens, Craig, Der allegorische Impuls: zu einer Theorie
des Postmodernismus, 1980

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